Peptide im Kühlschrank - Guide 2026
Peptide im Kühlschrank richtig lagern
Der vollständige Guide zur korrekten Aufbewahrung: Temperaturen, Haltbarkeit, häufige Fehler und wie du die Wirksamkeit deiner Peptide maximal erhältst.
Lyophilisierte (ungeöffnete) Peptide: 2–8 °C im Kühlschrank für Monate bis Jahre haltbar. Rekonstituierte Peptide: 2–8 °C, mit bakteriostatischem Wasser bis zu 4 Wochen haltbar. Niemals in der Kühlschranktür lagern – zu viel Temperaturschwankung!
Inhaltsverzeichnis
Warum Peptide gekühlt werden müssen
Peptide sind Ketten aus Aminosäuren – im Grunde kleine Proteine. Ihre dreidimensionale Struktur ist für ihre biologische Wirksamkeit entscheidend. Diese fragile Struktur wird durch verschiedene Umweltfaktoren bedroht.
Die vier Stabilitätskiller
Die Schmelztemperatur (Tm) eines Proteins – der Punkt, an dem 50% denaturiert sind – liegt bei vielen therapeutischen Peptiden erstaunlich niedrig. Studien zeigen, dass chemische Instabilitätsprozesse wie Deamidierung und Oxidation bereits bei Raumtemperatur beschleunigt ablaufen. Daher ist die Kühllagerung bei 2–8 °C der pharmazeutische Standard.
Temperaturzonen im Überblick
Nicht jede Lagerungstemperatur ist für jede Peptidform geeignet. Hier der Überblick über die drei relevanten Zonen.
| Temperaturzone | Lyophilisiert | Rekonstituiert | Hinweis |
|---|---|---|---|
| 2–8 °C (Kühlschrank) | ✅ 1–2 Jahre | ✅ 2–4 Wochen | Ideale Zone für den Alltag |
| –20 °C (Gefrierschrank) | ✅ 2+ Jahre | ❌ Nicht empfohlen | Eiskristalle zerstören Struktur |
| Raumtemperatur (15–25 °C) | ⚠️ Tage/Wochen | ❌ Max. 48 Stunden | Nur für kurzen Transport |
| >30 °C | ❌ Schneller Abbau | ❌ Stunden | Denaturierung beginnt |
Die Kühlschranktür ist der wärmste und instabilste Ort im Kühlschrank. Durch häufiges Öffnen schwankt die Temperatur dort zwischen 8–15 °C. Peptide gehören in den hinteren Bereich des mittleren oder unteren Fachs, wo die Temperatur konstant bei 2–6 °C liegt.
Lyophilisierte Peptide (Pulver)
Lyophilisierung (Gefriertrocknung) ist das Standardverfahren, um Peptide stabil und lagerfähig zu machen. Das Peptid liegt als kristallines Pulver vor – in dieser Form ist es am stabilsten.
Warum Gefriertrocknung?
- Stabilitätserhöhung: Ohne Wasser laufen Zersetzungsreaktionen extrem langsam ab
- Lange Haltbarkeit: Bei korrekter Lagerung 2–3 Jahre möglich
- Einfacher Transport: Kurzzeitig bei Raumtemperatur transportierbar
- Präzise Dosierung: Das feine Pulver löst sich schnell und gleichmäßig
Lagerungsempfehlungen
Wenn du ein Peptid-Vial aus dem Gefrierschrank holst, lass es 20–30 Minuten im Kühlschrank oder bei Raumtemperatur akklimatisieren, bevor du es öffnest. Durch den Temperaturunterschied bildet sich sonst Kondenswasser auf dem Pulver – das beschleunigt den Abbau erheblich.
Rekonstituierte Peptide (Lösung)
Sobald du ein Peptid mit Wasser mischst, beginnt die Uhr zu ticken. In Lösung ist das Peptid anfällig für bakterielle Kontamination, Hydrolyse und Oxidation. Die Wahl des Lösungsmittels und die Lagerung sind entscheidend.
Haltbarkeit nach Lösungsmittel
| Lösungsmittel | Haltbarkeit (2–8 °C) | Besonderheit |
|---|---|---|
| Bakteriostatisches Wasser (0,9% Benzylalkohol) | 28–30 Tage | Hemmt Bakterienwachstum, Standardwahl |
| Steriles Wasser (SWFI) | 2–3 Tage | Kein Konservierungsmittel, nur für Einmaldosis |
| NaCl 0,9% (Kochsalzlösung) | 2–5 Tage | Kein Konservierungsmittel, bessere Verträglichkeit |
Im Gegensatz zu lyophilisierten Peptiden dürfen Lösungen nicht eingefroren werden. Beim Einfrieren bilden sich Eiskristalle, die die Peptidstruktur mechanisch zerstören. Zudem kommt es zur Aufkonzentrierung der Lösung, was zu irreversiblen Veränderungen führt.
Anzeichen für Verderb
- Trübung: Klare Lösung wird milchig oder trüb
- Partikel: Sichtbare Flocken oder Ausfällungen
- Verfärbung: Gelbliche oder bräunliche Färbung
- Geruch: Ungewöhnlicher oder fauliger Geruch
Zeigt deine Peptidlösung eines dieser Anzeichen, verwende sie nicht mehr. Eine kontaminierte Lösung zu injizieren kann zu schweren Infektionen führen. Sicherheit geht vor – im Zweifel neu ansetzen.
Bakteriostatisches vs. steriles Wasser
Die Wahl des Lösungsmittels ist einer der wichtigsten Faktoren für die Haltbarkeit. Hier der direkte Vergleich.
- Enthält 0,9% Benzylalkohol
- Hemmt Bakterienwachstum zu 99,8%
- Haltbar bis 28 Tage nach Anbruch
- Mehrfache Entnahme möglich
- Standard für alle Peptidprotokolle
- Kein Konservierungsmittel
- Keine Bakterienhemmung
- Haltbar nur 24–72 Stunden
- Nur Einmalentnahme sicher
- Günstiger, aber unpraktisch
Für die allermeisten Anwendungen ist bakteriostatisches Wasser die richtige Wahl. Es ermöglicht eine sichere Mehrfachentnahme über 3–4 Wochen. Steriles Wasser macht nur Sinn, wenn du das gesamte Vial in einer oder zwei Dosen verwendest.
Wo bekommst du bakteriostatisches Wasser?
- Apotheke: Auf Anfrage bestellbar, oft als Rezeptursubstanz
- Online-Shops: Peptid- und Laborbedarfshändler
- Selbst herstellen: Theoretisch möglich (0,9% Benzylalkohol in sterilem Wasser), aber nicht empfohlen wegen Kontaminationsrisiko
Haltbarkeit nach Peptid-Typ
Verschiedene Peptide haben unterschiedliche Stabilitätsprofile. Hier eine Übersicht der gängigsten Peptide und ihrer empfohlenen Lagerungsbedingungen.
Lyophilisiert bei 2–8 °C: 12–24 Monate
Lyophilisiert bei –20 °C: 2–3+ Jahre
Rekonstituiert bei 2–8 °C: 2–4 Wochen (mit BAC-Wasser)
Rekonstituiert bei Raumtemperatur: Maximum 48 Stunden
Die 8 häufigsten Lagerfehler
- Kühlschranktür: Temperaturschwankungen von 8–15 °C beschleunigen den Abbau dramatisch
- Rekonstituierte Peptide einfrieren: Eiskristalle zerstören die Peptidstruktur irreversibel
- Leitungswasser verwenden: Enthält Bakterien und Mineralien – führt zu sofortiger Kontamination
- Vial schütteln statt schwenken: Scherkräfte führen zur Denaturierung (besonders bei HGH)
- Wasser direkt aufs Pulver spritzen: Schädigt die Peptidstruktur, verursacht Schaumbildung
- Lichtexposition: Offene Vials bei Tageslicht stehen lassen beschleunigt Photolyse
- Nadel nach 28 Tagen weiterverwenden: Kontaminationsrisiko steigt mit jedem Einstich
- Mehrfaches Einfrieren/Auftauen (lyophilisiert): Maximal einmal einfrieren, dann nur noch kühlen
Korrekte Rekonstitution: Schritt für Schritt
Praxis-Checkliste: Peptide richtig lagern
Vor dem Kauf:
- Nur bei seriösen Quellen mit Kühlversand bestellen
- Auf Verfallsdatum und Chargenprüfung achten
Bei Ankunft:
- Sofort in den Kühlschrank (2–8 °C)
- Langzeitvorrat in den Gefrierschrank (–20 °C)
Bei Rekonstitution:
- Nur bakteriostatisches Wasser verwenden
- Steril arbeiten, Gummistopfen desinfizieren
- Langsam an die Wand spritzen, nicht schütteln
- Vial beschriften (Datum, Konzentration)
Während der Nutzung:
- Immer im hinteren Kühlschrankbereich lagern
- Getrennt von Lebensmitteln (Plastikbeutel/Box)
- Nach 28 Tagen entsorgen (auch wenn noch Inhalt da)
- Bei Trübung, Partikeln oder Geruch: sofort entsorgen
| Lagerort | ✅ Richtig | ❌ Falsch |
|---|---|---|
| Kühlschrank-Position | Hinteres mittleres/unteres Fach | Kühlschranktür, oberes Fach |
| Behälter | Verschlossene Plastikbox oder -beutel | Offen neben Lebensmitteln |
| Lichtschutz | Originalverpackung oder Alufolie | Transparente Vials ohne Schutz |
| Gefrierschrank | Nur lyophilisierte Peptide | Rekonstituierte Lösungen |
FAQ – Häufige Fragen
Lyophilisiert: Kurzfristig ja (Tage bis wenige Wochen), aber die Haltbarkeit verkürzt sich erheblich. Bei 25 °C hält ein typisches Peptid etwa 9–12 Monate statt 2 Jahre.
Rekonstituiert: Maximal 48 Stunden. Danach ist bakterielle Kontamination und Abbau wahrscheinlich. Nicht empfohlen.
Das hängt von Dauer und Temperatur ab. Kurzzeitige Exposition (Stunden) bei Raumtemperatur ist meist unproblematisch. Bei >30 °C über mehrere Stunden kann es zu Wirkverlust kommen. Sichtbare Zeichen: Das Pulver verklumpt oder verfärbt sich. Im Zweifel: Entsorgen und neu bestellen.
Beim Einfrieren bilden sich Eiskristalle, die die dreidimensionale Struktur des Peptids mechanisch zerstören. Zusätzlich kommt es zur Aufkonzentrierung der Lösung in den noch flüssigen Bereichen, was zu Aggregation und Denaturierung führt. Das Peptid ist danach wirkungslos.
Lyophilisiert: Das Pulver sollte fein, trocken und farblos bis leicht gelblich sein. Verklumpung oder deutliche Verfärbung sind Warnsignale.
Rekonstituiert: Die Lösung muss klar sein. Trübung, Partikel, Flocken oder ungewöhnlicher Geruch = sofort entsorgen. Im Zweifel: Die Wirkung ist der beste Test – wenn nach korrekter Anwendung keine Effekte eintreten, ist das Peptid wahrscheinlich abgebaut.
Technisch ja – viele kombinieren z.B. GHRP-2 und CJC-1295 in einem Vial. Allerdings verkürzt sich die Haltbarkeit auf die des instabilsten Peptids. Mische nur, wenn du die Kombination zeitnah verbrauchst. Für Langzeitlagerung: getrennt halten.
Nein, ein normaler Haushaltskühlschrank reicht aus. Wichtig ist nur: nicht in der Tür lagern (zu warm), nicht direkt am Kühlaggregat (kann einfrieren), und getrennt von Lebensmitteln (Hygiene). Eine verschlossene Plastikbox im mittleren Fach ist ideal.
No-Frost-Geräte sind für lyophilisierte Peptide nicht empfohlen. Sie werden regelmäßig aufgetaut, um Eisbildung zu verhindern – das führt zu Temperaturschwankungen. Für Langzeitlagerung besser einen klassischen Gefrierschrank ohne No-Frost-Funktion verwenden.
Lyophilisiert: Eine Kühltasche mit Kühlakku ist ideal, aber kurze Transporte (Stunden) bei Raumtemperatur sind unproblematisch.
Rekonstituiert: Immer gekühlt transportieren! Eine Styroporbox mit Kühlakku ist Pflicht. Niemals im heißen Auto liegen lassen.
- Pharmazeutische Zeitung: Sensibel und stressanfällig – Proteinarzneimittel
- CHEManager: Peptide in stabiler Form: Eiskalt getrocknet
- Dianova: Lagerungshinweise für Antikörper und Proteine
- Pharmazeutische Zeitung: Peptidische Arzneistoffe – Hoch wirksam, aber empfindlich
- Merck/Sigma-Aldrich: Custom Peptide Manufacturing – Storage & Handling
- Journal of Pharmaceutical Sciences: Bakteriostatisches Wasser und mikrobielle Kontamination (2019)
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