Peptide im Kühlschrank - Guide 2026

Peptide im Kühlschrank richtig lagern

Der vollständige Guide zur korrekten Aufbewahrung: Temperaturen, Haltbarkeit, häufige Fehler und wie du die Wirksamkeit deiner Peptide maximal erhältst.

Praxis-Guide
Lesezeit: ca. 10 Min.
Veröffentlicht: 29.12.2025
Die kurze Antwort

Lyophilisierte (ungeöffnete) Peptide: 2–8 °C im Kühlschrank für Monate bis Jahre haltbar. Rekonstituierte Peptide: 2–8 °C, mit bakteriostatischem Wasser bis zu 4 Wochen haltbar. Niemals in der Kühlschranktür lagern – zu viel Temperaturschwankung!

2–8 °C
Ideale Kühlschranktemperatur
–20 °C
Langzeitlagerung (Jahre)
28 Tage
Max. Haltbarkeit rekonstituiert
48 Std.
Bei Raumtemperatur (kritisch)

Warum Peptide gekühlt werden müssen

Peptide sind Ketten aus Aminosäuren – im Grunde kleine Proteine. Ihre dreidimensionale Struktur ist für ihre biologische Wirksamkeit entscheidend. Diese fragile Struktur wird durch verschiedene Umweltfaktoren bedroht.

Die vier Stabilitätskiller

1
Temperatur
Bereits ab 40 °C beginnt die Denaturierung (Entfaltung) von Peptiden. Die native Faltung geht verloren – das Peptid wird wirkungslos oder immunogen.
2
Licht
UV-Strahlung und sichtbares Licht können photochemische Reaktionen auslösen. Besonders aromatische Aminosäuren (Tryptophan, Tyrosin) sind lichtempfindlich.
3
Feuchtigkeit
Lyophilisierte Peptide sind hygroskopisch – sie ziehen Wasser aus der Luft an. Feuchtigkeit beschleunigt Hydrolyse und Oxidation erheblich.
4
Bakterien
In Lösung sind Peptide ein Nährboden für Bakterien. Mikroorganismen produzieren Proteasen, die Peptidketten in Minuten spalten können.
🔬 Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Schmelztemperatur (Tm) eines Proteins – der Punkt, an dem 50% denaturiert sind – liegt bei vielen therapeutischen Peptiden erstaunlich niedrig. Studien zeigen, dass chemische Instabilitätsprozesse wie Deamidierung und Oxidation bereits bei Raumtemperatur beschleunigt ablaufen. Daher ist die Kühllagerung bei 2–8 °C der pharmazeutische Standard.

Temperaturzonen im Überblick

Nicht jede Lagerungstemperatur ist für jede Peptidform geeignet. Hier der Überblick über die drei relevanten Zonen.

–20 °C
Gefrierschrank
Langzeitlagerung lyophilisiert (Jahre)
2–8 °C
Kühlschrank
Standard für alle Peptide
15–25 °C
Raumtemperatur
Nur kurzfristig (Stunden)
Temperaturzone Lyophilisiert Rekonstituiert Hinweis
2–8 °C (Kühlschrank) ✅ 1–2 Jahre ✅ 2–4 Wochen Ideale Zone für den Alltag
–20 °C (Gefrierschrank) ✅ 2+ Jahre ❌ Nicht empfohlen Eiskristalle zerstören Struktur
Raumtemperatur (15–25 °C) ⚠️ Tage/Wochen ❌ Max. 48 Stunden Nur für kurzen Transport
>30 °C ❌ Schneller Abbau ❌ Stunden Denaturierung beginnt
⚠️ Achtung: Kühlschranktür vermeiden

Die Kühlschranktür ist der wärmste und instabilste Ort im Kühlschrank. Durch häufiges Öffnen schwankt die Temperatur dort zwischen 8–15 °C. Peptide gehören in den hinteren Bereich des mittleren oder unteren Fachs, wo die Temperatur konstant bei 2–6 °C liegt.

Lyophilisierte Peptide (Pulver)

Lyophilisierung (Gefriertrocknung) ist das Standardverfahren, um Peptide stabil und lagerfähig zu machen. Das Peptid liegt als kristallines Pulver vor – in dieser Form ist es am stabilsten.

Warum Gefriertrocknung?

  • Stabilitätserhöhung: Ohne Wasser laufen Zersetzungsreaktionen extrem langsam ab
  • Lange Haltbarkeit: Bei korrekter Lagerung 2–3 Jahre möglich
  • Einfacher Transport: Kurzzeitig bei Raumtemperatur transportierbar
  • Präzise Dosierung: Das feine Pulver löst sich schnell und gleichmäßig

Lagerungsempfehlungen

Langzeitlagerung
–20 °C
Haltbarkeit: 2–3+ Jahre. Ideal für Vorrat.
Standardlagerung
2–8 °C
Haltbarkeit: 1–2 Jahre. Für aktive Nutzung.
Kurzfristig
15–25 °C
Haltbarkeit: Wochen. Nur für Transport.
💡 Praxis-Tipp: Vor dem Öffnen akklimatisieren

Wenn du ein Peptid-Vial aus dem Gefrierschrank holst, lass es 20–30 Minuten im Kühlschrank oder bei Raumtemperatur akklimatisieren, bevor du es öffnest. Durch den Temperaturunterschied bildet sich sonst Kondenswasser auf dem Pulver – das beschleunigt den Abbau erheblich.

Rekonstituierte Peptide (Lösung)

Sobald du ein Peptid mit Wasser mischst, beginnt die Uhr zu ticken. In Lösung ist das Peptid anfällig für bakterielle Kontamination, Hydrolyse und Oxidation. Die Wahl des Lösungsmittels und die Lagerung sind entscheidend.

Haltbarkeit nach Lösungsmittel

Lösungsmittel Haltbarkeit (2–8 °C) Besonderheit
Bakteriostatisches Wasser (0,9% Benzylalkohol) 28–30 Tage Hemmt Bakterienwachstum, Standardwahl
Steriles Wasser (SWFI) 2–3 Tage Kein Konservierungsmittel, nur für Einmaldosis
NaCl 0,9% (Kochsalzlösung) 2–5 Tage Kein Konservierungsmittel, bessere Verträglichkeit
❌ Niemals rekonstituierte Peptide einfrieren!

Im Gegensatz zu lyophilisierten Peptiden dürfen Lösungen nicht eingefroren werden. Beim Einfrieren bilden sich Eiskristalle, die die Peptidstruktur mechanisch zerstören. Zudem kommt es zur Aufkonzentrierung der Lösung, was zu irreversiblen Veränderungen führt.

Anzeichen für Verderb

  • Trübung: Klare Lösung wird milchig oder trüb
  • Partikel: Sichtbare Flocken oder Ausfällungen
  • Verfärbung: Gelbliche oder bräunliche Färbung
  • Geruch: Ungewöhnlicher oder fauliger Geruch
⚠️ Bei Verdacht: Sofort entsorgen

Zeigt deine Peptidlösung eines dieser Anzeichen, verwende sie nicht mehr. Eine kontaminierte Lösung zu injizieren kann zu schweren Infektionen führen. Sicherheit geht vor – im Zweifel neu ansetzen.

Bakteriostatisches vs. steriles Wasser

Die Wahl des Lösungsmittels ist einer der wichtigsten Faktoren für die Haltbarkeit. Hier der direkte Vergleich.

Bakteriostatisches Wasser (BAC)
Empfohlen für Mehrfachentnahme
  • Enthält 0,9% Benzylalkohol
  • Hemmt Bakterienwachstum zu 99,8%
  • Haltbar bis 28 Tage nach Anbruch
  • Mehrfache Entnahme möglich
  • Standard für alle Peptidprotokolle
Steriles Wasser (SWFI)
Nur für Einmaldosis geeignet
  • Kein Konservierungsmittel
  • Keine Bakterienhemmung
  • Haltbar nur 24–72 Stunden
  • Nur Einmalentnahme sicher
  • Günstiger, aber unpraktisch
✅ Empfehlung

Für die allermeisten Anwendungen ist bakteriostatisches Wasser die richtige Wahl. Es ermöglicht eine sichere Mehrfachentnahme über 3–4 Wochen. Steriles Wasser macht nur Sinn, wenn du das gesamte Vial in einer oder zwei Dosen verwendest.

Wo bekommst du bakteriostatisches Wasser?

  • Apotheke: Auf Anfrage bestellbar, oft als Rezeptursubstanz
  • Online-Shops: Peptid- und Laborbedarfshändler
  • Selbst herstellen: Theoretisch möglich (0,9% Benzylalkohol in sterilem Wasser), aber nicht empfohlen wegen Kontaminationsrisiko

Haltbarkeit nach Peptid-Typ

Verschiedene Peptide haben unterschiedliche Stabilitätsprofile. Hier eine Übersicht der gängigsten Peptide und ihrer empfohlenen Lagerungsbedingungen.

GHRP-2 / GHRP-6
Stabil
Lyoph: 2 Jahre (KS) | Rekon: 4 Wochen
GH-Sekretagoge. Bei Raumtemperatur bis 1 Jahr haltbar. Nach Rekonstitution im Kühlschrank aufbewahren.
Ipamorelin
Stabil
Lyoph: 18 Monate (KS) | Rekon: 3–4 Wochen
Selektives GHRP. Etwas kürzer haltbar als GHRP-Varianten. Lichtschutz empfohlen.
CJC-1295 (DAC/ohne DAC)
Mittel
Lyoph: 12 Monate (KS) | Rekon: 2–3 Wochen
GHRH-Analog. Etwas empfindlicher. Kühl und dunkel lagern. DAC-Version stabiler.
BPC-157
Stabil
Lyoph: 2 Jahre (KS) | Rekon: 3–4 Wochen
Regenerationspeptid. Relativ stabil. Bei lokaler Anwendung zügig verbrauchen.
TB-500 (Thymosin Beta-4)
Mittel
Lyoph: 12 Monate (KS) | Rekon: 2–3 Wochen
Regenerationspeptid. Empfindlicher als BPC-157. Unbedingt kühl lagern.
Semaglutid / Tirzepatid
Stabil
Pen: 6 Wochen (KS) nach Anbruch
GLP-1-Agonisten. Fertigpens bei 2–8 °C. Nach Anbruch lichtgeschützt, nicht einfrieren.
HGH (Somatropin)
Empfindlich
Lyoph: 2 Jahre (KS) | Rekon: 2–3 Wochen
Wachstumshormon. Sehr empfindlich gegen Schütteln. Niemals schütteln! Vorsichtig schwenken.
Melanotan II
Mittel
Lyoph: 12–18 Monate (KS) | Rekon: 3–4 Wochen
Bräunungspeptid. Lichtempfindlich! Unbedingt dunkel lagern. In Alufolie wickeln.
💡 Generelle Faustregel

Lyophilisiert bei 2–8 °C: 12–24 Monate
Lyophilisiert bei –20 °C: 2–3+ Jahre
Rekonstituiert bei 2–8 °C: 2–4 Wochen (mit BAC-Wasser)
Rekonstituiert bei Raumtemperatur: Maximum 48 Stunden

Die 8 häufigsten Lagerfehler

Diese Fehler zerstören deine Peptide
  • Kühlschranktür: Temperaturschwankungen von 8–15 °C beschleunigen den Abbau dramatisch
  • Rekonstituierte Peptide einfrieren: Eiskristalle zerstören die Peptidstruktur irreversibel
  • Leitungswasser verwenden: Enthält Bakterien und Mineralien – führt zu sofortiger Kontamination
  • Vial schütteln statt schwenken: Scherkräfte führen zur Denaturierung (besonders bei HGH)
  • Wasser direkt aufs Pulver spritzen: Schädigt die Peptidstruktur, verursacht Schaumbildung
  • Lichtexposition: Offene Vials bei Tageslicht stehen lassen beschleunigt Photolyse
  • Nadel nach 28 Tagen weiterverwenden: Kontaminationsrisiko steigt mit jedem Einstich
  • Mehrfaches Einfrieren/Auftauen (lyophilisiert): Maximal einmal einfrieren, dann nur noch kühlen

Korrekte Rekonstitution: Schritt für Schritt

1
Vials desinfizieren
Wische die Gummistopfen von Peptid- und Wasser-Vial mit einem Alkoholtupfer ab. 30 Sekunden trocknen lassen.
2
Wasser aufziehen
Ziehe die gewünschte Menge bakteriostatisches Wasser mit einer sterilen Spritze auf (typisch: 1–2 ml).
3
Langsam an die Wand spritzen
Halte das Peptid-Vial leicht schräg. Lasse das Wasser langsam an der Innenwand heruntertropfen. Niemals direkt auf das Pulver spritzen!
4
Vorsichtig schwenken
Rolle das Vial sanft zwischen den Handflächen. Niemals schütteln! Lass es 5–10 Minuten stehen, bis sich das Pulver vollständig gelöst hat.
5
Beschriften und lagern
Notiere Datum, Peptidname und Konzentration auf dem Vial. Sofort in den Kühlschrank (2–8 °C), nicht in die Tür!

Praxis-Checkliste: Peptide richtig lagern

✅ Deine Lager-Checkliste

Vor dem Kauf:

  • Nur bei seriösen Quellen mit Kühlversand bestellen
  • Auf Verfallsdatum und Chargenprüfung achten

Bei Ankunft:

  • Sofort in den Kühlschrank (2–8 °C)
  • Langzeitvorrat in den Gefrierschrank (–20 °C)

Bei Rekonstitution:

  • Nur bakteriostatisches Wasser verwenden
  • Steril arbeiten, Gummistopfen desinfizieren
  • Langsam an die Wand spritzen, nicht schütteln
  • Vial beschriften (Datum, Konzentration)

Während der Nutzung:

  • Immer im hinteren Kühlschrankbereich lagern
  • Getrennt von Lebensmitteln (Plastikbeutel/Box)
  • Nach 28 Tagen entsorgen (auch wenn noch Inhalt da)
  • Bei Trübung, Partikeln oder Geruch: sofort entsorgen
Lagerort ✅ Richtig ❌ Falsch
Kühlschrank-Position Hinteres mittleres/unteres Fach Kühlschranktür, oberes Fach
Behälter Verschlossene Plastikbox oder -beutel Offen neben Lebensmitteln
Lichtschutz Originalverpackung oder Alufolie Transparente Vials ohne Schutz
Gefrierschrank Nur lyophilisierte Peptide Rekonstituierte Lösungen

FAQ – Häufige Fragen

Kann ich Peptide bei Raumtemperatur lagern?

Lyophilisiert: Kurzfristig ja (Tage bis wenige Wochen), aber die Haltbarkeit verkürzt sich erheblich. Bei 25 °C hält ein typisches Peptid etwa 9–12 Monate statt 2 Jahre.

Rekonstituiert: Maximal 48 Stunden. Danach ist bakterielle Kontamination und Abbau wahrscheinlich. Nicht empfohlen.

Was passiert, wenn mein Peptid zu warm geworden ist?

Das hängt von Dauer und Temperatur ab. Kurzzeitige Exposition (Stunden) bei Raumtemperatur ist meist unproblematisch. Bei >30 °C über mehrere Stunden kann es zu Wirkverlust kommen. Sichtbare Zeichen: Das Pulver verklumpt oder verfärbt sich. Im Zweifel: Entsorgen und neu bestellen.

Warum darf ich rekonstituierte Peptide nicht einfrieren?

Beim Einfrieren bilden sich Eiskristalle, die die dreidimensionale Struktur des Peptids mechanisch zerstören. Zusätzlich kommt es zur Aufkonzentrierung der Lösung in den noch flüssigen Bereichen, was zu Aggregation und Denaturierung führt. Das Peptid ist danach wirkungslos.

Wie erkenne ich, ob mein Peptid noch wirksam ist?

Lyophilisiert: Das Pulver sollte fein, trocken und farblos bis leicht gelblich sein. Verklumpung oder deutliche Verfärbung sind Warnsignale.

Rekonstituiert: Die Lösung muss klar sein. Trübung, Partikel, Flocken oder ungewöhnlicher Geruch = sofort entsorgen. Im Zweifel: Die Wirkung ist der beste Test – wenn nach korrekter Anwendung keine Effekte eintreten, ist das Peptid wahrscheinlich abgebaut.

Kann ich mehrere Peptide im selben Vial mischen?

Technisch ja – viele kombinieren z.B. GHRP-2 und CJC-1295 in einem Vial. Allerdings verkürzt sich die Haltbarkeit auf die des instabilsten Peptids. Mische nur, wenn du die Kombination zeitnah verbrauchst. Für Langzeitlagerung: getrennt halten.

Brauche ich einen speziellen Kühlschrank für Peptide?

Nein, ein normaler Haushaltskühlschrank reicht aus. Wichtig ist nur: nicht in der Tür lagern (zu warm), nicht direkt am Kühlaggregat (kann einfrieren), und getrennt von Lebensmitteln (Hygiene). Eine verschlossene Plastikbox im mittleren Fach ist ideal.

Was ist mit No-Frost-Gefrierschränken?

No-Frost-Geräte sind für lyophilisierte Peptide nicht empfohlen. Sie werden regelmäßig aufgetaut, um Eisbildung zu verhindern – das führt zu Temperaturschwankungen. Für Langzeitlagerung besser einen klassischen Gefrierschrank ohne No-Frost-Funktion verwenden.

Wie transportiere ich Peptide sicher?

Lyophilisiert: Eine Kühltasche mit Kühlakku ist ideal, aber kurze Transporte (Stunden) bei Raumtemperatur sind unproblematisch.

Rekonstituiert: Immer gekühlt transportieren! Eine Styroporbox mit Kühlakku ist Pflicht. Niemals im heißen Auto liegen lassen.

Quellen & Referenzen
  1. Pharmazeutische Zeitung: Sensibel und stressanfällig – Proteinarzneimittel
  2. CHEManager: Peptide in stabiler Form: Eiskalt getrocknet
  3. Dianova: Lagerungshinweise für Antikörper und Proteine
  4. Pharmazeutische Zeitung: Peptidische Arzneistoffe – Hoch wirksam, aber empfindlich
  5. Merck/Sigma-Aldrich: Custom Peptide Manufacturing – Storage & Handling
  6. Journal of Pharmaceutical Sciences: Bakteriostatisches Wasser und mikrobielle Kontamination (2019)

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